2014: Spinozas Garden

Raum und Parkinstallation.

Gewinnen Sie einen ersten Eindruck in unserem Trailer oder durch die Fotogalerie. Einen ausführlichen Bericht finden Sie unter Dokumentation Spinozas Garden 2014.

Am 1.August 2014 um 20Uhr fand die erste Aufführung auf dem Gelände der ehemaligen Landesirrenanstalt Domjüch bei Neustrelitz statt. Geplant sind mindestens fünf weitere Aufführungen im Sommer 2015.

Bereits am 20. Juli begannen die Proben zu einem besonderen Theaterspektakel. Mit freundlicher Unterstützung und in Kooperation mit dem Verein zum Erhalt der ehemaligen Landesirrenanstalt Domjüch e.V., dem Kunsthaus Neustrelitz und dem Fonds Soziokultur e.V. erarbeitete ein Ensemble von 22 jungen Künstlern und Schauspielern zwischen Ruinen und Parklandschaft ein 150-minütiges Stationstheater. Das Publikum durchwanderte und erlebte eine künstlerische Collage, die sich auf sehr unterschiedliche Weise mit dem Leben in der Anstalt in der Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus beschäftigt. Die in das Stück verwobene Philosophie Spinozas und der besondere Ort ermöglichen eine ungewohnte Perspektive auf die Vorzeit der bisher größten menschlichen Katastrophe.

Die Philosophie Spinozas verfolgt ein ethisch-praktisches Ziel. Sie möchte von den illusorischen Lebenszielen das einzig Wahre unterscheiden, das ihm, wenn er es erreichen würde, eine stabile und wirklich befriedigende Freude verschaffen könnte. Der in Deutschland eher weniger geläufige Philosoph Baruch de Spinoza (1632-1677) geriet in Ungnade bei seinen Mitmenschen, den Fürsten, Kirchenherren, bei Juden und Christen gleichermaßen. Verbannt, verflucht und ausgestoßen lebte er fortan in selbstgewählter Abgeschiedenheit.

In Isolation und Abgeschiedenheit lebten in den 1920er Jahren auch die Insassen der Anstalt in der Domjüch. Nach damaliger Überzeugung fanden sie als „Unheilbare“ in dieser „natürlichen“ Umgebung am ehesten Linderung. Blickt man zurück, unter welchen Bedingungen Menschen mit so genannten Behinderungen und „Irre“ zuvor verwahrt wurden, dann kann man tatsächlich im Hinblick auf die Domjüch von einem großen Fortschritt sprechen (Kalt- und Warmwasserversorgung, elektrisches Licht etc.). Allerdings war die systematische Verwahrung und Behandlung in den Anstalten auch die Vorstufe zu grausamen Menschenversuchen und schließlich der systematischen Vernichtung der dort lebenden Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus.

Ziel war die künstlerische Metamorphose und Auseinandersetzung mit Orten im ländlichen Raum, die in ihrer ursprünglichen Funktion aufgegeben worden sind und nun als Denk- und Freiräume belebt und neu genutzt werden können, um z.B. aus der Reflexion von Geschichte und Gegenwart, Zukunftschancen und Perspektiven auszuloten, neue soziale und kulturelle Handlungsfelder zu erschließen und zu entwickeln. Als Impulse in Regionen mit hoher Abwanderung. Anhand des Spannungsfeldes von unbezahlbaren Mieten in den Großstädten und zunehmenden Leerständen in der Provinz, wird die Frage aufgeworfen, wie die entstehenden Leerräume in den Kleinstädten, ländlichen Räume und die landwirtschaftlichen Industrieräume als Kulturraum mit- und umgenutzt und auf innovative Weise anders, ihrer Funktion enthoben, erlebt und somit für Kulturschaffende urbaner Zentren attraktiv werden können.

Gefördert vom Fonds SozioKultur im Förderprogramm für junge Kulturinitiativen.

 fondssoziokultur

Artikel in der Zeitschrift Kulturszene des Fonds Soziokultur.

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